Der Wert der Rituale
Momentan beschäftige ich mich bei der Vorbereitung von Workshops und Seminaren viel mit dem Thema »Werte«, verbunden mit der spannenden Frage, inwieweit Werte das Handeln beeinflussen bzw. prägen.
Der Titel des heutigen Impulsletters weist darauf hin, dass auch gelebten Ritualen Werte zugrunde liegen, also Aspekte, die ein Ritual als wert-voll beschreiben und erfahrbar werden lassen.
Der Begriff Ritual kommt von dem Wort »Ritus«, dieser war im alten Rom gleichbedeutend mit einer Zeremonie, einem Brauch mit festem Ablauf. Im Laufe der Zeit entwickelten sich Rituale als festliche, symbolische Handlungen, die zu etwas Verbindlichem mit dem Charakter der Wiederholung wurden.
Kinder lieben Wiederholungen und fordern sie gerne ein, auch wenn die erwachsene Person längst denkt: »Nun ist es aber doch auch mal gut …«
Wiederholungen geben Sicherheit und Geborgenheit, gleiches gilt für Rituale.
Ritualisierte Abläufe vermitteln dem Kind Verlässlichkeit und strukturieren den Tag, die Woche, sogar den Jahreslauf. Rituale ermöglichen (!) Vorfreude und eine Vorhersehbarkeit dessen, was kommt. Sie erleichtern zugleich Übergänge, die für viele Kinder immer wieder eine Herausforderung darstellen:
So kann ein Ritual zum Beginn einer Mahlzeit helfen, sich nun auf die Gemeinschaft beim Essen einzustellen; ein Abendritual hilft, den Tag langsam zu verabschieden und zur Ruhe zu kommen.
Damit ermöglichen Rituale Entspannung und Gelassenheit. Zuweilen fordern Kinder Rituale ein: »Das haben wir doch immer so gemacht!« Wobei sich Rituale mit dem Alter der Kinder auch verändern können und sollten.
Die Chance, die Kraft der Rituale zu nutzen um dem Leben einen Rhythmus zu geben, sollten Eltern wirklich ergreifen; auch viele Kitas pflegen Rituale ganz bewusst und erkennen deren große Bedeutung, ihren großen Wert. Jesper Juul, der bekannte dänische Familientherapeut sagte: »Kinder brauchen Rituale, weil sie ihnen helfen, die Welt zu verstehen und sich sicher zu fühlen.«
Allein diese genannten Gründe sind es wert und in meinen Augen Grund genug, den Alltag für Kinder in Familien, Kitas und Grundschulen zu ritualisieren.
Mit herzlichen Grüßen, Ihre Monika Reetz
