Interview für das Magazin SzenenWechsel

Bestimmte Lebensereignisse oder Lebensabschnitte können eine Familie aus der Bahn werfen, zum Beispiel Krankheit, Arbeitslosigkeit, Trennung, aber auch die Geburt eines Kindes oder das Älterwerden. Solche Krisen können besser durchgestanden und überwunden werden, wenn die Familie gute „Selbstheilungskräfte“ besitzt oder anders ausgedrückt „resilient“ ist. Resiliente Familien dürfen darauf vertrauen, dass Krisen gemeinsam durchlebt werden, ohne dass es zu Brüchen oder negativen Folgeerscheinungen kommt. Es ist möglich, diejenigen Faktoren gezielt zu stärken, die eine Familie befähigen, Krisen zu meistern und den Zusammenhalt zu stärken.

Was genau versteht man unter dem Begriff Resilienz?

Resilienz bezeichnet die psychische Widerstandkraft von Menschen, Krisen zu überwinden oder sogar gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Schaut man sich die Resilienz einer Familie an, richtet sich der Blick auf das ganze System Familie, genauso aber auch auf jedes einzelne Mitglied der Familie. Denn alle Familienmitglieder sind unterschiedlich resilient und das wiederum bedingt die Widerstandskraft der ganzen Familie. Resiliente Familien gleichen einzelne Schwächen aus und fangen sich untereinander auf.

Was zeichnet denn resiliente Familien aus?

Resiliente Familien leben gemeinsame Werte, kommunizieren offen miteinander, halten zusammen und verbringen Zeit miteinander. Sie leben gegenseitige Wertschätzung und sind miteinander empathisch. Auch Achtsamkeit spielt hier eine Rolle. Das hat man in vielen Studien so beobachtet. Diese Familien nutzen ihre inneren Kraftquellen besonders gut, um schwierige Phasen zu überstehen.

Betrachten wir die Resilienz der einzelnen Familienmitglieder, sind Eigenschaften wie Optimismus, persönliche Lösungsorientierung, Akzeptanz unveränderbarer Faktoren oder auch persönliche Vernetzung wichtig. Es tut der Familie gut, wenn ihre Mitglieder Probleme konstruktiv lösen, mit Stress umgehen und gemeinsame Ziele entwickeln können.

Wie kann man Resilienz gezielt fördern?

Eltern, die eine grundsätzliche Bereitschaft zur Veränderung haben, können sowohl ihre eigene als auch die Resilienz ihrer Kinder trainieren. Fangen wir bei den Eltern an: Eltern sind gute Resilienz-Vorbilder, indem sie sich zunächst gut um sich selbst kümmern. Das ist gar nicht so einfach, denn im Alltag haben die Kinder oft Priorität. Meine Empfehlung für Eltern:

  • Finden Sie ihre persönliche Kraftquelle. Ist es Sport, Musik, ein Spaziergang im Wald, ein gutes Buch? Was davon kann ich realistisch in meinem Alltag
    integrieren?
  • Achten Sie Ihre Grenzen. Wer achtsam mit sich selbst ist, kann den eigenen Kindern mit mehr Empathie begegnen!
  • Vernetzen Sie sich mit anderen Eltern. Wenn Eltern untereinander in Kontakt kommen, ist das sehr gewinnbringend.
  • Sorgen Sie für Balance im Familienalltag. Gemeinsame Aktionen wie Ausflüge sind wichtig, aber manchmal ist es auch gut, einfach nur zu Hause zu sein.

Das sind erste Schritte auf dem Weg zu mehr Resilienz. In meinen Coachings gehe ich diesen Weg dann mit den Eltern weiter und steige in die individuellen Themen ein. Immer geht es darum, die jeweiligen Stärken und Ressourcen in den Mittelpunkt zu stellen. Das fördert letztendlich die Resilienz.

Wie können Eltern die Resilienz ihrer Kinder stärken?

Kinder profitieren davon, wenn in der Familie die resilienten Faktoren gut ausgebildet sind. Dann ist es für sie leichter, Konflikte auszuhalten und zu handeln. Kinder sollen sich in ihrer Familie gut aufgehoben und angenommen fühlen, auch mit ihren Schwächen. Ein Beispiel: Ein Kind bekommt eine richtig schlechte Note in Englisch zurück. Anstatt nun mit Enttäuschung, Druck und verstärktem Vokabeltraining zu reagieren, wäre es gut, erst einmal inne zu halten und dem Kind mit Empathie zu begegnen. Bei einem gemeinsamen Tee oder einer heißen Schokolade könnte dann überlegt werden, welche Gründe möglicherweise zur schlechten Note geführt haben, welche Strategien es nun gibt, um Ähnliches zu vermeiden. Wenn Kinder erleben, dass sie auch im „Scheitern“ wertgeschätzt werden, dass die Familie zusammenhält und gemeinsam an einer Lösung gearbeitet wird, dann wirkt sich dies sehr positiv auf ihre Resilienz aus.

Was hilft Eltern, sich in Wertschätzung zu üben?

Ich empfehle den Eltern einen Blick durch die „goldene Brille“. Was kann mein Kind gut? Welche besonderen Talente hat es? Was ist liebenswert? Was läuft gut? Wofür bin ich dankbar? Das Zimmer ist zwar immer noch nicht aufgeräumt, aber dafür hat sich mein Kind bei mir für sein Lieblingsessen bedankt. Wenn wir uns diese Sichtweise im Alltag erhalten, dann können wir entspannter mit schwierigen Situationen umgehen. Es gelingt uns besser, die Dinge in Relation zu sehen. Das üben wir in meinem Workshop hier im SzenenWechsel. Das Schöne ist: die Kinder spüren unsere Wertschätzung sofort!

Was erwartet Eltern, die sich darüber hinaus von Ihnen individuell beraten lassen wollen?

Zu mir kommen Eltern, die in irgendeiner Form ein „Problem“ mit ihrem Kind haben. In meinen Coachings begebe ich mich mit den Eltern in Vogelperspektive. Wir betrachten die Dinge mit einer gewissen Distanz. Oft tut sich bereits etwas, indem wir die Perspektive wechseln. Der Blick weitet sich fürs Wesentliche. Wir können festgefahrene Strukturen aufbrechen und gute Lösungen finden. Und obwohl das Kind ja im Regelfall nicht weiß, dass die Eltern bei mir waren, kommt allein durch das Gespräch schon Bewegung in die Sache.